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Kamen-am-Ob

Каменский государственный краеведческий музей

Шаргей Александр Иванович (Юрий Васильевич Кондратюк)

Храм в честь святителя Тихона, патриарха Московского и всея Руси

Die Stadt Kamen‑am‑Ob, das Zentrum des Rayons Ka­menskij, liegt 208 km nord‑westlich von Barnaul.

Wenn Sie die heutige Stadt Kamen‑am‑Ob durchfahren, wird es Ihnen schwer fallen, sich die vergangene Herrlichkeit die­ses damals großen Handelsdorfes vorzustellen. Später wurde es zur Stadt, in der sich der ganze Handel des nördlichen Altais kon­zentrierte. Die Hauptstrasse, Leninstrasse genannt, bewahrt bis heute einige Baukunstelemente des vorigen Jahrhunderts, vor allem gilt es dem heutigen Museumsgebäude, das sich als das ehemalige Einzelhaus von Winokurow erweist. Der Stadtrund­gang wird etwa 1,5‑2 Stunden in Anspruch nehmen.

Geschichte

Das Dorf Kamen wurde schriftlich erstmalig im Jahre 1751 erwähnt. Die vorteilhafte Anlage am großen Fluss in der Mitte der zahlreichen Dörfer machte Kamen allmählich zum Brenn­punkt der Landwirtschaftsproduktion und des sibirischen Han­dels. Seit 1886 war Kamen ein bedeutendes kaufmännisches Dorf. Dank des Binnenhafens wurde Kamen zum Mittelpunkt des Verkaufes und Versandes von Weizen, Anfang des XX. Jahr­hunderts auch von Butter. Altai gehörte zu den wenigen Gebie­ten, die Hungersnot und Choleraepidemie der damaligen Zeit nicht spürten.

Eben von hier aus leitete man Weizen den Ob hinauf in der Nordrichtung weiter, dann mit der Eisenbahn nach Ekate­rinburg und andere Städte des Urals. In Kamen handelten ein­heimische Geschäftsmänner mit Weizen, v. a. die Winokurows und die Falkows, sowie Dampferinhaber und Kaufmänner aus Barnaul, Nowonikolaewsk, Tomsk und Tumen. Dänische Firmen

„Sibirskaja Kompania”, Knudsen, Irgensen, Martensen u. a kauf­ten hier Butter ab und brachten Milchschleudern, Butterwerk­sausrüstung und Landtechnik zum Verkauf. Am Anfang des XX. Jahrhunderts entwickelte sich in Kamen ein flotter Geschäfts­gang, was allmählich zur Reorganisierung des Dorfes in eine Stadt führte. Es sprossten hier die Niederlassungen einiger gros­sen Handelsbetriebe. 1912 rangierte das Dorf im Handelsum­satz in Tomskaja Gubernia nach Tomsk, Nowonikolaewsk und Barnaul an vierter Stelle. Man könnte aber, die Müllerei ausge­nommen, von einer lahmen Industrie sprechen. 1915 erhielt Ka­men Stadtrechte und seine Entwicklung wurde seltsamerweise schleppender. Während des I. Weltkrieges wurden die Altaisker (Nowonikolaewsk — Barnaul — Semipalatinsk) und die Kulun­dinsker (Tatarskaja — Slawgorod) Eisenbahnen verlegt, was den Schiffsverkehr im Wert beeinträchtigte. 1916 wurden außerdem 100 Häuser und 25 Handelsräume durch ein grosses Feuer zer­stört. Seit dem Jahr 1933 hat die Stadt den heutigen Namen — Kamen‑am‑Ob. Wörtlich übersetzt bedeutet das „Stein‑am‑Ob” (wegen des Ausstriches des mit der Zeit abgeplatteten Salairsker Berggürtelausläufers). Aufragendes Gestein kann man in der Ne­bengasse Melnitschi sehen.

Stadtrundgang

Die heutige Leninstrasse (die ehemalige Glawnaja) ge­hört zweifelsohne zum Teil der Altstadt, sie erstreckt sich 3 km lang parallel des Ob. Hier erregen einige schöne Rotziegelhäuser des vergangenen Jahrhunderts Ihr Aufsehen. Gleich am Anfang der Strasse hinter dem Sportfeld auf einer Anhöhe befindet sich das verfallene Bogojawlensker Heiligtum (1902 geweiht). Die Er­richtung der gemauerten Kirche an der Stelle des verwitterten Holzgebäudes bezahlten die Kaufmänner Winokurow, Sorin, Pu­dowkin, Simonin, Tschaigin. Winokurow A. I. bestellte in Tomsk die Glocke, die 61 Pud schwer war, und ließ sie nach Kamen auf dem Ob liefern. Die Kirche wurde im pseudorussischen Stil mit Elementen der altrussischen Sakralarchitektur ausgebaut. In den 30‑ern wurden die Kreuze von dem Haus des Herrn entfernt, in der Kirche schlug eine Likör‑ und Wodkafabrik ihr Quartier auf.

Im Eigenheim des Kaufmanns Homutow A. S. (Leninst­rasse 18) neben der Kirche liegt heutzutage die medizinische Fachschule. Das ist ein zweistöckiges Ziegelhaus mit einem Kel­ler. Die Fassade ist mit Weißziegelornamenten geschmückt. Bo­genförmige Lichter des Erdgeschosses sind in flache Nischen eingeschrieben. Das ganze Gebäude ist eklektisch, außerdem sind Klassizismuselemente eingesetzt.

In der Leninstrasse 49 befindet sich das Kamensker Staat­liche Heimatkundemuseum. Das prächtige Neoklassizismusei­genheim der Kaufleute Winokurow gewährte dem Stadtmuse­um Unterkunft. Einst gab es hier im Erdgeschoß kaufmännische Läden und im ersten Stock Wohnräume mit hohen halbovalen Fenstern. In den Sälen sind wunderschöne Gardinenleisten und vegetative Stuckdekoration erhalten geblieben. Beachten Sie die Hausgröße, das Urbild einer Familienburg.. Sehen Sie sich den Innenhof an, um eine Vorstellung von dieser reichen und ed­len Kamensker Familie zu bekommen, wie einflußreich sie war.

Außer dem Museum befinden sich in demselben Eigen­heim von Winokurow auch die Kunstgalerie der einheimischen Künstler, ein Geschäftshaus und ein Cafe. Dem Heimatkunde­museum gegenüber liegt der Kulturpark. An der Kreuzung Le­nin‑ und Komsomolskajastraße steht das schöne zweistöckige Haus des Kaufmanns Pudowkin mit einer abgerundeten Ecke. Hier gibt es Bauelemente im modernen Stil vom Anfang des Jahrhunderts. Im ersten Stock sind gewundene schmiedeeiser­ne Balkone als Schmuckelemente zu sehen. An den Nordteil des Gebäudes lehnt sich ein einstöckiger Anbau mit Türen im moder­nen Stil gehalten. Die Außenseiten sind von stufenförmigen At­tiken mit Steinornamenten gekrönt. Wenn Sie hier um die Ecke biegen und ein wenig die Strasse entlang gehen, die zur Len­instrasse perpendikulär liegt, kommen Sie direkt zum Fluß Ob.

In der Leninstrasse 78 ist das ehemalige Hauptgebäude des Eigenheims des Kaufmanns Sorin (heute ist es die pädago­gische Fachschule), das auch im Eklektikstil des frühen XX. Jahr­hunderts ausgeführt wurde. Das ist ein zweistöckiges würfel­förmiges Ziegelhaus. Im ersten Stock der Zentralfassade gibt es einen schönen Schmiedebalkon, Weißziegelornamente schmü­cken die Fenster.

Abgesehen von den Eigenheim‑Festungen der Leninst­rasse gibt es in Kamen‑am‑Ob ein Haus, in dem 1929‑1930 Kond­ratjuk Ju.W. wohnte (Leninstrasse 80). Das ist ein großes Stamm­holzhaus aus dem frühen XX. Jahrhundert. Kondratjuk Ju. W. (sein wirklicher Name war Alexander Ignatjewitsch Schargej, 1897‑1941) beschäftigte sich mit den wichtigsten Problemen der Raumschiffahrt, und ist der Autor des Buches „Weltraumeroberung” (1929). Die von Kondratjuk durchgeführte Mondflugbahnberech­nung wurde beim ersten Flug der amerikanischen Weltraumfahrer angewandt. 1920‑1930 stand er an der Spitze der Getreidelager­mechanisierung in Bijsk, Rubzowsk, Pospelicha. Nach seinem ei­genen originellen Projekt ließ er 1930 neben dem Haus eine Korn­kammer aus Stammholz für 10 Tausend Tonnen Getreide errichten, das sogenannte „Mastodon”, das bis heute teilweise behalten ist. An dem Haus Kondratjuks Ju. W. ist eine Gedenktafel angebracht. Mysteriös ist das Schicksal dieses Menschen, denn niemand weiß genau, wo und unter welchen Umständen er während des Gro­ßen Vaterländischen Krieges sein Ende gefunden hat.

Ein anderer berühmter Einwohner der Stadt Kamen‑am‑Ob ist der Regisseur und Volkskünstler der UdSSR Pyrjew I. M. (1901‑1968). Er wurde hier geboren und lebte bis 1916 in einem kleinen einstöckigen Holzhaus in der Leninstrasse 222.

Von Kamen‑am‑Ob her gehen die Verkehrsstraßen aus­einander. Die erste führt nach Nowosibirsk am Nowosibirs­ker Stausee entlang. Die zweite macht um den Nowosibirsker Stausee einen Bogen, läuft zwischen Feldern zum Dorf Kruti­cha (24 km weit von Kamen‑am‑Ob) und führt am Burla Flußtal entlang in der Südrichtung zu den Dörfern Pankruschicha (56 km weit von Kruticha) und Habary (62 km weit vom Dorf Pan­kruschicha). Hier führt der Weg durch eine der bandförmigen Kiefernheiden, unterwegs sind kleine in Vertiefungen liegen­de Seen anzutreffen.

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