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Gestern…
Barnaul, die Hauptstadt der Altairegion, wurde im Jahre 1730 gegründet. Die Mündung des Flusses Barnaulka in den Ob haben einst Verwalter des Uraler Bergbauunternehmers Akinfij Demidow für den Bau eines Schmelzbetriebs ausgesucht. Die Lage war sehr günstig und der Barnauler Silberschmelzbetrieb wurde zu einem entscheidenden Wirtschaftsfaktor. Die Herstellung des Silbers, dieses Währungsmetalls, wurde jedoch für private Fabrikanten verboten, und Demidow musste die Altaier Betriebe aufgeben. Diese sind in die Kompetenz des Kabinetts der Zarin Jelisaweta übergegangen und wurden zum Eigentum der Zarenfamilie. Im Jahre 1771 wurde Barnaul der Status einer Bergbaustadt verliehen, sie war die einzige Bergbaustadt in Sibirien und die zweite in Russland (nach Jekaterinburg).
Alle berühmten Forschungsreisenden, die Barnaul Ende des XVIII. — Anfang des XIX. Jahrhunderts besucht haben, beschrieben Barnaul als eine zivilisierte Stadt, deren Bewohner ein hohes Lebensniveau und eine reiche Kultur hatten. Sie bewunderten auch die wissenschaftlichen Errungenschaften von Barnauler Erfindern und Forschern. 1823 wurde hier das erste Heimatkundemuseum Westsibiriens eröffnet und 1835 das erste magnetischmeteorologische Observatorium Sibiriens. Es wurden Kirchen aus Stein gebaut, regelmäßig wurden im „Theaterhaus”Vorstellungen gegeben und es gab auch eine Stadtkapelle. Mitte des XIX. Jahrhunderts hat Pjotr Semjonow‑Tjan‑Schanskij Barnaul mit Begeisterung als „sibirisches Athen” bezeichnet.
Nachdem der Altaier Silberschmelzbetrieb stillgelegt wurde, wandelte sich Barnaul schnell aus einer Bergbaustadt in ein Handelszentrum. Am Anfang des XX. Jahrhunderts hatte die Stadt den Status eines der größten Industrie‑ und Handelszentren Sibiriens und gilt gleichzeitig als Kultur‑ und Wissenschaftszentrum.
Die Stadt hat einen Großbrand, Erdbeben, Überschwemmungen, Schrecken der Revolution und des Bürgerkrieges sowie die Kollektivierung der Sowjetzeit überlebt. Während des Großen Vaterländischen Krieges wurden hierher viele große Betriebe aus dem europäischen Teil Russlands verlegt; in den 50‑er Jahren wurde Barnaul als Zentrum der Neulandgewinnung im ganzen Land bekannt.
Heute…
Das Barnaul am Anfang des XXI. Jahrhunderts ist eine schöne, moderne Stadt mit mehr als 650 000 Einwohnern und einer gut entwickelten Infrastruktur. Besonders interessant sind für die Besucher des Altai die zahlreichen Museen, Ausstellungen, Gemäldegalerien sowie Theater und Konzerte. Vielleicht trägt die Natur des Altai selbst dazu bei, dass es hier viele talentvolle Persönlichkeiten gibt und dass die Werke der Altaier Künstler einen unvergesslichen Eindruck machen. Beeindruckend sind die Denkmäler der Architektur und Geschichte; hier gibt es das erste (!) Denkmal Russlands, das nicht zu Ehren eines Sieges, sondern zu Ehren des Friedens aufgestellt wurde: die bekannte Demidow‑Säule, das Ehrensymbol des Bergbaus des Altai.
Schön und imposant sind die orthodoxen Kirchen Barnauls. Die meisten von ihnen wurden Ende des XVIII. — Anfang des XIX. Jahrhunderts gebaut. In den 30‑er Jahren des XX. Jahrhunderts wurden sie leider völlig zerstört und erst in den 90‑er Jahren wurden sie der Russisch‑orthodoxen Kirche wiederum übergeben. Interessant ist die Geschichte der Pokrowskij Kathedrale. 1933 geschlossen und in ein Lager umgewandelt, begann sie wieder als Kirche zu dienen: Die Sowjetbehörden gaben dem glühenden Wunsch der Gemeindemitglieder nach, für den Sieg in dem Großen Vaterländischen Krieg zu beten. Die älteste Kirche der Stadt, die Dimitrij‑Rostowzew‑Kirche, wurde ebenso der Gemeinde wieder zurückgegeben. In der Neustadt wird mit ihren Kuppeln über die Wolkenkratzern die Johann‑Bogoslow‑Kirche gebaut. Auf dem Territorium von Barnaul befindet sich auch die Swjato‑Nikolskij‑Quelle, die von orthodoxen Gläubigen als Heiligtum verehrt wird. Um die Wunderheilungen des Quellwassers rankten sich Legenden. Lange Zeit war die Quelle verwildert, aber am Ende des vorigen Jahrhunderts wurde sie wieder ausgebaggert. Schöne kleine Kapellen, von denen jede ihre eigene wundervolle Geschichte hat, schmücken die Straßen der Stadt
Die Barnauler Reisebüros, die Ausflüge in der Stadt und in ihre Umgebung mit bis zu 30 verschiedenen Themen organisieren, sind stets bereit, die Besucher der Stadt mit den Sehenswürdigkeiten bekannt zu machen! Zumeist bereisen die Altai‑Touristen als erstes die Stadt Barnaul: hier gibt es einen modernen Flughafen, der von vielen Großstädten Russlands angeflogen wird, hier gibt es eine Eisenbahn und vom Barnauler Busterminal fahren die Busse in alle Richtungen der Altairegion. In Barnaul gibt es über 100 Reisebüros, die den Gästen des Altai nach ihren Wünschen ihren Urlaub anbieten können.
Die „Festivalstadt” — so wird vielleicht Barnaul bald genannt werden. Schon mehr als zehn Jahre gibt es im Regionszentrum die gute Tradition, den Anfang des Frühlings mit einem sonnigen Festival des Volksschaffens und der Kunst, dem „Barnauler Frühling” zu feiern, wo die besten Aussteller die Bewohner und Gäste Barnauls mit ihrem Schaffen bezaubern. Immer mehr Besucher strömen auch jedes Jahr Mitte Mai zum Festival „Museumsnacht”, wenn alle Museen und Galerien der Stadt zu einer ungewöhnlichen Zeit, von 19.00 Uhr bis 3.00 Uhr nachts den Besuchern ihre Türen öffnen. Im Juli kommen die Verehrer des Schaffens von W. M. Schukschin ganz auf ihre Kosten: in Barnaul finden die in ganz Russland bekannten Schukschin‑Lesungen statt. Hier werden auch die Schukschin‑Filmfestspiele veranstaltet, bei denen neue russische Filme gezeigt und Treffen mit berühmten Filmregisseuren und Schauspielern organisiert werden. Seit 2007 findet in Barnaul das Internationale „Käsefest” Festival statt, das nicht nur für den Altai, sondern auch für ganz Russland eine einzigartige Erscheinung ist.
Barnaul liegt am linken Ufer des Flusses Ob, eines der größten Flüsse Russlands und Eurasiens. Seine Länge vom Zusammenfluss der Bija und des Katun (20 km süd‑westlich von Bijsk) beträgt 3560 km. Durch den Altai fließt der Ob auf einer Länge von 500 km. Die Fläche des Obtals im Altai beträgt über 4000 km. Das linke Ufer ist hoch und steil, das rechte niedrig, mit großen Auen. Am rechten Ufer erstreckt sich der weite Priobsker Fichtenwald, der oft unterbrochen wird. Wasserausflüge, ein spannender Fischfang an vielen Flüssen, Wochenendausflüge in den Kiefernwald des rechten Ufers sind beliebte Erholungsaktivitäten der Barnauler. Alle Gäste der Stadt, die über die neue Brücke ins Zentrum fahren, werden von der riesigen Aufschrift „BARNAUL” am Uferabhang begrüßt. Die Buchstabenhöhe dieser Aufschrift beträgt 7 m; die Buchstaben der bekannten Aufschrift in Hollywood sind übrigens nur dreimal höher.
Die Stadt wird von einem bandförmigen Fichtenwald umrahmt. Hier gibt es zahlreiche Sanatorien und Heilstätten, Herbergen und Hotels, Langlaufloipen, eine Skipiste sowie einen Extrem‑Park. Im Winter gehen die Stadtbewohner gern Schi langlaufen und im Sommer machen sie an den Ufern der Waldseen Picknick. Im wissenschaftlichen Lissowenko‑Forschungsinstitut für Gartenbau in Sibirien gibt es ein Dendrarium, in dem eine riesige Pflanzenvielfalt aus der ganzen Welt zu bewundern ist.
Morgen…
Die sibirische Stadt am Ob ist im Vergleich zu den Großstädten des europäischen Russlands oder sogar zum benachbarten Nowossibirsk nicht so groß. Trotzdem kommt die Geschichte Barnauls der einer bedeutenden Großstadt gleich: Diese Stadt ist zugleich das administrative Zentrum der Altairegion, die Hauptstadt des Bergbaus in Sibirien des XVIII. Jahrhunderts, ein wichtiges Handelszentrum, von dem im XIX. Jahrhundert Handelsstraßen in die Mongolei und nach China führten sowie die Hauptstadt der Neulandgebiete im XX. Jahrhundert. Das dritte Millennium verschafft Barnaul den Titel der Haupstadt der größten touristischen Region mit großen Aussichten zur Weiterentwicklung.



























